Food Talk

Interview mit Madeleine Jakits

Die Chefredakteurin des FEINSCHMECKER (Food Magazine Hamburg) spricht über Trends in der Food-Branche, gibt Insider-Tipps zur Planung der perfekten Küche und gibt einen Einblick in ihre persönlichen Food-Favoriten.

Über Madeleine  Jakits

Madeleine Jakits, Jahrgang 1955, wurde in Zürich/Schweiz geboren. Ihre ersten beiden Schuljahre verbrachte sie in Neuchatel/Schweiz, danach weitere zwei Jahre in Bromley, Kent/England. In Hamburg machte sie Abitur am Gymnasium Oberalster, darauf folgte das Studium der Anglistik und Germanistik mit Pädagogik (und letzteres auch nur als „Alibi“ für das noch Unentschlossensein), Abschluss: 1. Staatsexamen. Das erste Gehalt gab’s bei time life Büchern, die seinerzeit eine deutsche Redaktion in der Hansestadt hatten. Danach sechs Jahre als schreibende Redakteurin im Food-Ressort (pardon: es hieß damals noch „Kochressort“) der Frauenzeitschrift „brigitte“. Seit Ende 1988 beim Feinschmecker im Jahreszeiten Verlag, zunächst als Redakteurin im Ressort Wein & Küche, ab 1994 als Textchefin und stellvertretende Chefredakteurin. Seit 1. Mai 1997 Chefredakteurin. Private Interessen, abgesehen von gutem Essen und gutem Wein: singen, Klavierstunden, Italien, Rauhaardackel, ein Alfa Romeo Spider von 1981.

Das Interview

Was würden Sie jemandem raten, der sich eine neue Küche kauft: Was braucht er unbedingt, an was sollte er denken?
M. Jakits: Oh ja, da kann man viel falsch machen! Wer keine Erfahrung mit einer Küchenplanung hat, sollte sich unbedingt beraten lassen – am besten in einem guten Küchenstudio, wo Profis sitzen, die an wirklich alles denken. Ich würde mich – bei allem Respekt – auch nie allein auf einen Architekten verlassen. Denn: Was es zu vermeiden gilt, ist beeindruckende Schönheit, bei der man sich am Ende aber ärgert über zu wenige Steckdosen am falschen Platz, schlechtes Licht, zu wenig Arbeitsfläche, die auch noch zu niedrig ist, zu wenig Stauraum für all die Boliden, die man heutzutage als Küchenmaschinen vermeintlich unbedingt alle braucht, unnütze Wege zwischen Kühlschrank, Spüle, Herd, Backofen beim Vorbereiten und beim Kochen und so weiter. Eine neue Küche ist eine ernstzunehmende Investition. Sie muss auch zur Lebenssituation passen. Eine Familie mit tobenden Kleinkindern hat sicher andere Prioritäten als Best-Ager, die ihr Leben zu zweit genießen und gern für Gäste kochen.

Kochen und Küche nehmen medial immer mehr Raum ein, hat sich dadurch bei den Menschen auch ein anderes Bewusstsein fürs Essen entwickelt?
M. Jakits: Auf jeden Fall hat die Omnipräsenz des Themas immer mehr Leute, auch junges Publikum, an den Herd gebracht, die Neugier geweckt. Kochen ist ein Lebensstil geworden. Aber natürlich wird nicht jeder ein besserer Koch, nur weil es in allen Blättern, und allen Kanälen so ein ausuferndes Thema geworden ist.

 

Glauben Sie, dass schönere Küchen die Leute zum besseren Kochen anregen?
M. Jakits: Ja. Man will sich ja nicht blamieren vor der schönen Anschaffung!

 

Authentische und regionale Produkte werden heutzutage in der Sternegastronomie gehypt. Was kann man daraus für den „heimischen Herd“ lernen?

M. Jakits: Weniger in Supermärkten und Discountern einkaufen, lieber die Wochenmärkte nutzen, wo man zwischen viel Mainstream-Ware durchaus Besonderes aus handwerklicher Herstellung findet. Schmeckt ja fast immer besser. Am Wochenende mit den Kindern mal aufs Land fahren und ab Hof kaufen – und Schafe streicheln.

Gibt es einen Geschmack auf der Zunge, der Sie betört?
M. Jakits: Hummer. Kaisergranat, über Holzkohlenglut nur kurz „parfümiert“. Frische Sardinen vom Grill. Ein sehr, sehr gutes Ribeye. Gebratene Poularde. Steinpilze. Morchelrahm. Dijon-Senf. Kaviar. Lavendelhonig. Und die Marillenkonfitüre von Hans Haas (Küchenchef im „Tantris“, München). Und dann wären da noch ...

I ♥ FINE FOOD

Die Küchen nehmen immer mehr Raum ein, verdrängen gar das Wohnzimmer. Haben Sie und Ihr Magazin dazu beigetragen?
M. Jakits: Das will ich hoffen! Wer den Platz und die Mittel hat, möchte heute einen offenen Lebensbereich in der Wohnung, im Haus. Einen Ort, an dem sich alle treffen, an dem sich das Familienleben abspielt. Dafür kann man dann auch mal eine Wand herausnehmen, um die Grenze zwischen Wohnzimmer oder Esszimmer und Küche einzureißen. Alles wächst zusammen, jeder kann sich zwanglos am Geschehen in der Küche beteiligen. Die Küche, auch die mit dem größten Chic, wird gewissermaßen zur Feuerstelle, Lagerfeuer: Wärme, Zusammengehörigkeit, Kreativität.

Viele Restaurants bieten heutzutage nur Mittelmaß. Ist es da nicht besser, in die Küche zu Hause zu investieren?
M. Jakits: Gutes kriegt man als Laie mit viel Liebe selber hin, und es schmeckt, weil es selbstgemacht ist. Und kostet viel weniger als ärgerliches Mittelmaß im Restaurant. Die ganz hohen Erwartungen an ein Essen sollte man sich für gelegentliche Besuche eines Toprestaurants aufsparen. Insofern ist die Antwort auf Ihre Frage: ja. Trotzdem, ich möchte zur Ehrenrettung der Gastronomie betonen: Es gab in Deutschland noch nie so viele gute Lokale wie heute, auch im erschwinglichen Bereich. Wer den FEINSCHMECKER liest, weiß das. Wir sieben ja aus. Und so findet man bei uns meistens einen verlässlichen Tipp für jeden Anlass.

 

Wie viel Ihrer Zeit verbringen Sie in der Küche?

M. Jakits: Jeden Tag etwa zwei Stunden. Am Wochenende mehr, vor allem, wenn Gäste kommen. Am liebsten koche ich im Urlaub, ohne Hetzerei.

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